Zukunftsvision – WE ARE FAMILY – oder anders gesagt – STAY TOGETHER, PLAY TOGETHER

Mein ganz normaler Tag

Wie jeden Tag, treffen wir uns auch heute schon eine Stunde früher im Hotel und halten zusammen eine kleine Meditation. Als Einstimmung in den Tag.

Diese kleine Übung haben wir uns am Anfang der Saison überlegt, eine kleine Yoga Session oder eine kurze Meditation, die uns Kraft für den Tag gibt. Deshalb haben wir uns kurzerhand einen Plan zusammengestellt. An den stressigen Tagen meditieren wir morgens zusammen, sollten wir morgens mehr Zeit und Ruhe haben, macht unser Yogalehrer eine halbstündige Yogaeinheit mit uns.
Sogar viele Mitarbeiter, die erst mittags zum Dienst kommen, sind morgens schon dabei und starten mit uns zusammen in den Tag. Ein tolles Gefühl.

Nach der gemeinschaftlichen Meditation wird zusammen der Frühstückstisch gedeckt, unsere Frühstücksköche, die schon fleißig waren, bereiten frische Eierspeisen für uns zu. In der Zwischenzeit betrachten wir staunend unser Frühstücksbuffet, welches das Team am Abend für das Team am Morgen vorbereitet. Täglich eine neue Überraschung. Wir lassen uns immer leckere und kreative Ideen einfallen, damit wir morgens unseren Kollegen ein Lächeln auf die Lippen zaubern können.

Der Tisch ist gedeckt und wir kommen alle zusammen, das ganze Haus sitzt gemeinsam am Tisch und wir frühstücken zusammen. Die alte Marotte vom schnellen Kaffee ist schon längst vergessen.

Kulturgut Familienbetrieb

Auch Margarethe und Anton setzen sich immer für einen Moment zu uns, die Familie führt das Hotel schon sehr lange, ein Familienbetrieb in dritter Generation. Sie kommen täglich zu uns und wünschen einen guten Morgen, wenn die Zeit da ist meditieren sie auch mit uns.
Beim Frühstück sprechen wir die wichtigen Tagesaufgaben durch. Ich bereite schon am Vorabend alles vor, bespreche wichtige Details mit Margarethe und beim morgendlichen Frühstück teilen wir dies mit allen Mitarbeitern.
Wichtige Anreisen – wir haben sehr viele Stammgäste, die sich bestimmt schon sehr auf uns freuen, so wie wir uns auch auf sie freuen. Es ist schön zu wissen, wer im Laufe des Tages kommen wird. Stammgäste haben schließlich auch besondere Wünsche, die wir uns bei jedem ihrer Besuche schön säuberlich notieren und unseren Gästen somit einen wundervollen Empfang bereiten.

Ein kleines Beispiel. Unsere Familie Hauser – eine ganz liebe Familie. Sie kommen jährlich gegen Ende der Saison, da sie, wie sie immer betonen, die Ruhe genießen möchten. Ein Zimmer auf der ruhigen Seite des Hauses ist ihnen also gewiss. Frau Hauser liebt die kleinen selbstgebackenen Kekse mit Apfelstückchen, die unser Patissier immer zubereitet. Also lassen wir es uns nicht nehmen, die Familie mit einem Teller der leckeren Lieblingskekse zu überraschen. Ein persönlicher Gruß ist doch immer noch die schönste Begrüßung.

Eine Kleinigkeit, die vorher einfach abgearbeitet wurde, die täglich am Plan stand, die man einfach gemacht hat, weil es so angeordnet wurde, ist heute wieder eine wunderbare tägliche herzliche Routine. Wir schätzen unsere Gäste und unsere Gäste schätzen uns.
Diese Wertschätzung und Dankbarkeit dürfen wir täglich erfahren, schon morgens beim Frühstück können es sich unsere Gäste nicht nehmen lassen, alle Mitarbeiter persönlich zu begrüßen und so ihren Dank auszudrücken. Anstatt grummeliger „Guten Morgen, wie war ihre Anreise“ Floskeln, haben wir heute einen regen und herzlichen Austausch mit unseren Gästen. Wir nehmen uns Zeit für sie, das hektische Treiben am Frühstücksbuffet gibt es schon lange nicht mehr.

Effizienz vs. Gastlichkeit?

Es ist alles sehr viel ruhiger und entspannter, liegt auch daran, dass die altbekannte „Sparerei“ längst Geschichte ist. „Das schaffen die locker auch nur zu zweit“, – ich kann mich noch gut erinnern, jahrelang mussten wir diesen Satz ertragen.
Heute nicht mehr vorstellbar, wir sind schon morgens ein starkes Team, täglich sprechen wir uns ab in allen Bereichen und Aufgaben, wir spielen perfekt zusammen. Hektisches in verschiedene Richtungen laufen und dabei noch das leere Buffet übersehen, weil einfach keine Zeit da ist, um es nachzufüllen, alles vergessen.

Das Altbekannte „Höher – Schneller – Weiter“ ist uninteressant geworden. Noch vor einem Jahr, war die viele Zeit, die wir miteinander und mit unseren Gästen verbringen nicht vorstellbar, es wurde gespart, wir mussten schnell arbeiten, um überhaupt hinterher zu kommen mit all unsern Aufgaben, Gespräche wurden nicht gerne gesehen.
Aufgaben zu erledigen die nicht im eigenen Bereich liegen wurde abgemahnt anstatt gelobt, sich für andere einzusetzen wurde als unnötig deklariert. Ich bin sehr erleichtert, dass uns die Krise letztes Jahr so gestärkt hat und uns die wahren Werte im Leben und in der Gastronomie wieder aufgezeigt hat.

Wertewandel

Heute zählen wieder Werte wie Zusammenhalt, Ehrlichkeit, Respekt, Kreativität, Glück, Gesundheit, Mitgefühl, Freundlichkeit, Vertrauen, Spaß und Genauigkeit. All diese Werte stehen ganz oben auf unserem Erfolgsrezept, wir erkennen, fordern und fördern das Potential jedes einzelnen Mitarbeiters.

Diese schöne Veränderung spüren auch unsere Gäste, sie fühlen sich wohl und können ihren Urlaub genießen, „Wir fühlen uns wie zu Hause“ – ein schönes Geschenk in Worte verpackt.

Es hat sich vieles so sehr zum Guten verändert, dass ich noch stundenlang erzählen möchte. Es ist einfach toll, wie aus einem Team an Mitarbeitern im Laufe der Saison eine kleine Familie wird Alle helfen zusammen und unterstützen sich gegenseitig.
So ist es heute keine Überraschung mehr, wenn unser Koch einmal eine Birne im Hotelzimmer wechselt, weil unser Hausmeister gerade viel zu tun hat, oder unsere Wellnessmitarbeiter in der Küche mithelfen die Dessertplatten zu füllen.
Auch ich, als zentrale Anlaufstelle für unser Haus, trage keine „Zettel“ mehr von Abteilung zu Abteilung und zeige auf was noch gemacht werden muss. Viel mehr nehme ich mir die Zeit für das persönliche Gespräch mit jedem Einzelnen und bringe mich ein und helfe mit.

Der gewöhnliche Kontrollgang mit den bekannten „Weißen Handschuhen“ ist mir längst schon fremd geworden, heute helfe ich einfach an stressigen Tagen mit wo ich kann, ich unterstütze da wo ich gebraucht werden.
In der Zwischenzeit begrüßt Margarethe höchst persönlich unsere Gäste und empfängt sie mit einem strahlenden Lächeln – sie hält mir den Rücken frei damit ich andere im Team unterstützen kann.
Wir stärken uns alle gegenseitig den Rücken, vom Hausmeister bis hin zum Abwäscher, wir sind ein Team und gemeinsam STARK.

Gemeinsam neue Wege beschreiten

Kaum zu glauben, dass diese schöne Saison sich dem Ende neigt. Keiner von uns will es so richtig wahrhaben. Heute Abend ist schon unser Abschlussessen und diesem sehen wir mehr mit einem weinenden Auge entgegen als mit einem „HURRA GESCHAFFT.

Das übliche Abschlussessen, oder die jährliche große Fresserei, war immer ein Graus für mich.
Das beste Restaurant in der Region war gerade gut genug, aus dem Nähkästchen mussten wir erscheinen, vornehm und steif war die Gesellschaft, die verdiente Feierlichkeit fand meist erst statt, sobald der Chef sich verabschiedete.
Von dieser musste man sich als Normalsterblicher Mitarbeiter mit Anstand und Charakter jedoch meist gleich entfernen, bevor das Niveau dann schnell in den Keller verschwand.

Für mich war das Dabeisein jährlich ein Muss aber längst kein Genuss mehr.

Umso schöner wird es heute Abend, unser Team durfte den Abschlussabend selbst gestalten, – „Gemeinsam die schöne Saison Revue passieren lassen“ war der Wunsch.

Unsere Köche haben darauf gleich eingebracht, dass wir uns gemeinsam ein spannendes Menü ausdenken und es dann gemeinsam zubereiten.
Daher werden wir jetzt in wenigen Minuten unsere Arbeitskleidung mit der Kochschürze tauschen, uns in die Küche begeben und ein tolles Essen für heute Abend zubereiten. Andere von uns flitzen schon eifrig durch das Restaurant. Sie decken die Tische und dekorieren den Saal mit feierlichen Accessoires. Margarethe und Anton sind damit beschäftigt ihre persönlichen Briefe an uns mit den letzten Zeilen zu versehen, eine schöne Geste.

Das ganze Team kann es kaum erwarten, also werde ich diese Zeilen nun zum Abschluss bringen und mit den Vorbereitungen für heute Abend beginnen. Es wird ein wunderbares Zusammensein, man kann die Wertschätzung und Dankbarkeit förmlich spüren. Es erfüllt mich mit wachsender Freude, mein Beruf ist zu meiner Berufung gewachsen.

Text von Ramona Auderer. Sie erreichen die Autorin unter: r.auderer@neustark.at